Einkauf 4.0

Vom Beschaffer zum Value Chain Manager

Von der SUPPLY CHAIN hin zur VALUE CHAIN

Der Einkäufer übernimmt immer mehr die Funktion eines Value Chain Manager mit ganzheitlichem Blick auf die Wertschöpfungskette. So ist die Gestaltung der Lieferantenstruktur für den gesamten Unternehmenserfolg und die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend. Komplette Wertschöpfungsketten stehen hier im Wettbewerb. Doch welche Dimensionen sind die wesentlichen Treiber und welche Auswirkungen haben sie auf den Einkauf der Zukunft 4.0?

Wesentliche Dimension des Einkauf 4.0
Technologien und Systeme
  • Echtzeitverfügbarkeit von Daten und Informationen (z.B. zur frühzeitigen Fehlererkennung, zur Vermeidung von Risiken, über Qualität von Zulieferteilen)
  • Verbesserte Datenqualität (hoher Aussagegehalt durch Informationen, nicht nur Daten)
  • Bessere Datenverfügbarkeit (mehr Daten stehen zur Verfügung)
  • Datenzugriff von überall
  • Vollautomatisierter Informationsfluss
  • Vereinfachte und verbesserte Kommunikation (vertikal und horizontal)
  •  Medienbruchfreie Kommunikation
  • Erhöhte Transparenz von Daten und Informationen
  • Mehr Transparenz in der Supply Chain (z.B. Supplier Risk Management)
  • Verbesserte Steuerungsmöglichkeit und Entscheidungsgrundlage
  • Verbesserte Auswertung von Kundendaten (gezieltere Kundenansprache, Entwicklung individualisierter, bedarfsgerechter Produkte, etc.)
  • Schnelle Reaktion auf Veränderungen (z.B. Innovationen im Markt)
  • Trendaussagen erhalten
Organisation und Prozesse
  • Schnellere Prozesse
  • Digitalisierung von Prozessen und Abläufen
  • Standardisierung von Prozessen
  • Durchgängige Prozesse
  • Geringere Prozesskosten
  • Vereinfachte und verbesserte Arbeitsabläufe
  • Stabilere Prozesse
  • Autonomisierung
  • Effizienzsteigerung
  • Erhöhte Flexibilität
  • Reaktionsschnelligkeit
  • Engere Anbindung/ Einbindung und Integration von Lieferanten
  • Bessere weltweite Vernetzung (über diverse Wertschöpfungsstufen)
Management und Mensch
  • Verbesserte Personalplanung
  • Mitarbeiter werden entlastet durch die Digitalisierung von Prozessen
  • Tätigkeiten bündeln
  • Strategische Platzierung des Einkaufs im Unternehmen
  • Strategische Produkte entwickeln
  • Strategische Märkte erschließen
  • Größere Savings
  • Bessere Einkaufspreise erzielen
  • Synergien erzeugen
Geschäftsmodelle
  • Wettbewerbsfähigkeit erhalten
  • Erleichterte Kommunikation mit Kunden und Lieferanten
  • Kundeorientiertere Geschäftsmodelle
  • Stärkere Entwicklung zum Dienstleister (neben der industriellen Kernleistung)
  • Neue Netzwerke entstehen

Die Digitalisierung verändert alle Bereiche eines Unternehmens. Die Entwicklungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung können nicht losgelöst voneinander betrachtet werden.

Der operative Einkauf wird weitgehend autonomisiert - der Einkauf wird schrumpfen
Den operativen Einkauf von heute gibt es nicht mehr.

Komplette operative Einkaufsprozesse können nahezu komplett digitalisiert werden bis hin zur Autonomisierung. Der operative Einkäufer wird aussterben. Der komplette operative und administrative Bereich kann und wird digitalisiert sein.

Der Einkauf wird schrumpfen.

Die Mitarbeiteranzahl des Einkauf, sowohl operativ als auch strategisch, wird sich künftig deutlich reduzieren. Vor allem, weil der operative Einkäufer durch autonome Prozesse nahezu verschwindet. In einigen Szenarien gibt es Bestrebungen darüber, den Einkauf zu outsourcen und nur noch extern einzukaufen, wenn das Unternehmen selber keine Kernkompetenz im Einkauf beseitzt. Diese Auslagerung einer bisherigen Kernkompetenzen an einen Service-Provider scheint ein realistisches Szenario zu sein, da sich die Kompetenzen durch die Digitalisierung
verschieben.

Der Einkäufer wird zum Multitalent

Der Einkäufer scheint unter Betrachtung der zahlreichen Beschreibungen des künftigen Einkäufers viele neue Fähigkeiten zu brauchen.

  • Der Einkauf agiert als Koordinator, Multi-Talent, Controller, Vertragsmanager.
  • Der Einkauf wird zum Berater
  • Der Einkäufer wird immer mehr auch zum Produktentwickler.
  • Der Einkäufer wird zum Datenanalysten.
  • Der Einkäufer wird Manager der Rahmenbedingungen.
  • Der Einkäufer wird noch mehr zum Schnittstellenmanagen
  • Er wird zum Value Chain Manager
Der strategische Einkauf erfordert ein höheres Qualifikationsniveau.

Dies verblüfft angesichts der vorangegangenen These wohl kaum. Es wird weniger Einkäufer geben, aber mit einem höheren Qualifikationsniveau. Der Einkauf wird künftig aus einer kleinen, kräftigen, strategisch ausgerichteten Truppe bestehen. Tätigkeiten werden in Zukunft komplexer.

Die zentrale Rolle des Menschen im Einkauf bleibt bestehen.

Der persönliche Kontakt ist nach wie vor wichtig. Der Mensch ist entscheidender Faktor in Verhandlungen und Lieferbeziehungen. Persönliche Beziehungen bleiben nach wie vor von hoher Bedeutung - der Mitarbeiter ist und bleibt zentraler Punkt im Einkauf.

Die Anforderungen und Erwartungen an den strategischen Einkauf wachsen — und damit die Forderung nach einem erhöhten Wertbeitrag.

Die an den Einkäufer gestellten Aufgaben und Anforderungen werden zukünftig immer komplexer. Unternehmen bieten ihren Kunden hybride Komplettlösungen und nicht mehr nur einzelne Produkte an, was den Anspruch an den Einkauf steigen lässt. Mehrere Produkte inklusive Dienstleistung werden an den Kunden verkauft und der Einkauf muss diese Entwicklung entsprechend berücksichtigen.

Der Einkauf wird in Zukunft vollkommen anders aussehen — es gibt keinen traditionellen Einkäufer mehr.

Der Einkäufer muss künftig viele Talente mitbringen. Er wird zum Schnittstellenmanager intern und extern. Er muss ein hohes technisches Verständnis aufweisen, da er sich auch mehr und mehr zum Produktentwickler wandelt. Die Entwicklung zum Datenanalysten ist bereits gesetzt.

Persönliche Beziehungen bleiben auch im Einkauf 4.0 von hoher Bedeutung.

Technologien schaffen viele neue Möglichkeiten für Unternehmen ersetzen allerdings keine persönlichen Beziehungen. Sie vereinfachen zwar Kommunikation, verbessern diese aber nicht die zwangläufig. Besonders im Einkauf bleiben Beziehungen zu Lieferanten persönliche und internen Kunden eine wichtige Basis

Der Einkauf trägt nicht die Gesamtverantwortung für die Umsetzung von Industrie dennoch hat er eine entscheidende 4.0 Rolle.

Die Geschäftsführung bzw. das Management eines Unternehmens ist dafür verantwortlich, Industrie 4.0 im Unternehmen voran zu treiben. Der Einkauf trägt hierbei eine wichtige Mitverantwortung.

Das Schaffen von Transparenz ist die wichtigste Voraussetzung, um Industrie 4.0 umsetzen zu können.

Transparenz schaffen bedeutet, dass Wissen in einer klaren Struktur bereitgestellt wird. Zum Thema „Industrie 4.0" muss noch viel Aufklärung betrieben werden, um bestehende Hürden abzubauen und die Unternehmen in die Lage zu versetzen, die Umsetzung von Industrie 4.0 anzugehen.

Big Data und Technologien zur Datenverarbeitung sind Schlüsseltechnologien der Digitalisierung und vor allem im Zusammenhang mit der Vernetzung entscheidend.

Der gemeinsame Blick aller Akteure eines Unternehmens als auch einer Supply Chain auf die gleiche Datenmenge mit den gleichen Möglichkeiten zur Analyse verbessert die Kommunikation untereinander und führt zu schnellen Entscheidungen.

Der Einkauf muss seine eigenen Strukturen und Prozesse an die Digitalisierung anpassen.

Der Einkauf muss künftig in Echtzeit reagieren und aussagekräftige Informationen geben können. Dazu muss er seine Prozesse weitestgehend digitalisieren, um sich auf Kernprozesse zu konzentrieren. Der Umgang mit Big Data und Daten sowie der Einsatz von Assistenzsystemen oder Augumented Reality Lösungen unterstützen die Digitalisierung des Einkaufs.

Der Einkauf muss ein z.T. verändertes, zunehmend digitalisiertes Beschaffungsportfolio managen.

Nicht nur die Prozesse des Einkaufs, sondern auch die zu beschaffenden Produkte unterliegen dem Wandel der Digitalisierung. Neben einem veränderten Produktportfolio muss der Einkauf auch neue Maschinen, Werkzeuge und Rohstoffe zur Herstellung neuer Produkte beschaffen. Daher besteht auch im Einkauf die Notwendigkeit, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Die vertikale und horizontale Vernetzung (durch Technologien) ermöglicht den Wandel von der Funktionssicht zur Prozesssicht die Digitalisierung des Einkaufs und des gesamten Beschaffungsportfolios sind erst dadurch uneingeschränkt möglich.

Die vertikale und horizontale Vernetzung bedingen die Prozesssicht, der Einsatz von Technologien und Systemen wiederum bedingt die Vernetzung. Die Vernetzung ist hier die entscheidende Größe. Erst der Austausch von Know-how mit anderen macht es möglich, von den Vorteilen der Digitalisierung zu profitieren.

Der Einkauf ist Treiber der horizontalen Vernetzung.

Hier trägt der Einkauf die volle Verantwortung. Daher kommt ihm bei der Umsetzung von Industrie 4.0 eine entscheidende Rolle zu. Er muss die Technologien und Innovationen ins Unternehmen bringen, damit es die vierte industrielle Revolution erfolgreich meistern kann.

„Warum bin ich heute der richtige (Geschäfts-) Partner in der Wertschöpfungsketteund was muss ich dazu beitragen, dies auch zukünftig zu bleiben?“

Am Ende steht auch hier diese Frage wieder im Zentrum. Nur Unternehmen die diese Frage bereits geklärt haben, Prozesse identifiziert und beschrieben haben und einen aktiven und funktionierenden S&OP Prozess im Unternehmen eingeführt haben, werden in der Lage sein den Einkauf 4.0 zu etablieren.